Momentaufnahmen

Momentaufnahmen wagten jetzt die Schülerinnen und Schüler des Deutschkurses (EF) bei Frau Muny und griffen, teils motiviert durch einen gemeinsamen Besuch beim letzten Lüdenscheider Poetry Slam, selbst zur Feder. Einige Beiträge junger Schreibender gibt es hier.


Ein Beitrag von Philipp Kettwichter:

Jetzt sitze ich hier und starre auf dieses Blatt Papier und mir fällt nichts ein. Das ist mal wieder typisch. Der Lehrer stellt eine Aufgabe, die mich so gar nicht inspiriert. Noch dazu fehlt mir die Motivation. Ich wette den meisten Schülern geht das so. Dabei hat der Tag eigentlich gut angefangen. Gutgeschlafen, gut gefrühstückt, Zeitung gelesen, dann gemütlich in die Schule mit all meinen Hausaufgaben; total sorgenfrei. Dann kommt man an, arbeitet gut im Unterricht mit, schaut einen Film; der Tag läuft noch immer gut. Dann kommt dieses Fach, weshalb ich jetzt hier sitze. Zuerst fängt alles gut an. Man glaubt es kaum, aber jetzt sitze ich hier und esse Kuchen. Dazu noch eine Tasse Kaffee; alles immernoch im grünen Bereich. Doch was ist nun? Die Lehrerin stellt eine Aufgabe. Tja, das war's. Der Tag stellt mir nun eine Aufgabe, die es zu lösen gilt. Und so wie ich diesen Monolog führe, schreibe ich ihn auf und siehe da! Auf einmal merke ich, dass hier Wörter und schließlich ganze Sätze stehen. Tja ein Grund zur Freude: Die Aufgabe ist gelöst und der Tag geht super weiter.



Ein Beitrag von Rawan Issa: "Äh"!

Es gibt Tage,an denen einem die merkwürdigsten Sachen durch den Kopf gehen, z.B. wie man mal eben den Satz des Pythagoras erfinden kann. Ich jedenfalls bin eine verwirrte 15-jährige, die ihr Leben irgendwie nicht auf die Reihe kriegt und ihre Zeit nicht mit Mathe verschwenden kann. Dabei sind meine Probleme so lächerlich im Vergleich zu denen, die alleinstehende Kleinkinder in ärmeren Ländern haben und nicht wissen, wie sie den Tag überleben sollen. Am besten zähle ich sie in einer Liste auf, irgendwie hilft mir das, mein Inneres zu ordnen:

1. Meine beste Freundin Mia steht auf mich.

2. Ich stehe auf ihren heißen Bruder Dorian.

3. Ihr heißer Bruder Dorian steht mehr auf ältere Damen.

4. Die meisten älteren Damen wollen von hormongesteuerten, unerfahrenen Jugendlichen nichts wissen.

5. Jetzt sitzen wir drei hier draußen und wissen nicht, wohin mit unseren Gefühlen.

6. Mein linker Oberschenkel ist dicker als der rechte.

Wie schaffe ich es, dass ich Mia mit meinen nicht vorhandenen Gefühlen nicht verletze? Na ja, für Dorian wird sich wahrscheinlich keine Dauerlösung finden, er ist schließlich ein Mann (oder so) und die sind ja ziemlich sprunghaft. Außerdem werd ich meinem Lover ganz bestimmt nicht dazu verhelfen, eine Oma fürs Leben zu finden und vor mir mit ihr zu flirten. Ekelhaft.

Und wie schaffe ich es vor allem, dass meine Oberschenkel gleich dick bzw. schlank sind??

Meine Situation ist echt merkwürdig.



Ein Beitrag von Rawan Issa: "Eiscreme"!

Auf kuschelig weiche Zuckerwattenkissen
leg ich meinen Kopf bei Nacht
träume von glitzernden Wolkenhaufen
und werd von funkelnden Sternen angelacht

Inmitten der Milchstraße steht ein großer Tisch
so viel Süßes bunt gemischt
der Duft von Keksen und Rosinenbrötchen frisch
ein Teddy sich den riesigen Schokokuchen mit Streuseln fischt

Ein flauschiges honigbraunes Kleid schmückt sein zartes Wesen
Knöpfchenaugen so klar und gläsern wie Spiegel
der Teddybär scheint meine Gedanken zu lesen
er lädt mich ein auf einen Schokoriegel

Doch das ist noch nicht das Ende meiner Reise
anfangs war das Bärchen zwar wirklich nicht gütig
aber irgendwann nimmt es meine Hand auf niedliche Weise
und fliegt mit mir dichter am Mond vorbei als nötig

Nur von hier aus sieht man die endlosen Weiten perfekt
Stellen,wo sich auch andere süße Wesen vergnügen
über dem Ort sich ein knallig leuchtender Regenbogen erstreckt
umgeben von sanften, leichten Windzügen

Er ist es, der diese märchenhafte Atmosphäre schafft
schüttet etwas Schimmerndes herunter wie Zucker
plötzlich zerreißt die ganze Szene und verpufft
nachdem sie dramatisch dahingeflossen ist wie Butter

Von den kuschelig weichen Zuckerwattenkissen
erhebe ich meinen Kopf und schaue nach draußen
sehe wie Donner ertönt und Blitze Flaggen hissen
und viele kleine graue Wolken sich aufbauschen



Ein Beitrag von Florian Deitmerg: "Es ist was es ist"!

Was ist das?
Meine Augen, täuschen sie mich?
Was ist dies für ein Gerät?
Es ist viel zu kompliziert.

Ist es nass?
Nein, deshalb frage ich dich,
Ist es für mich zu spät?
Hast du es ausprobiert?

Was ist dies für ein Wesen?
Kann man darin lesen?
Was ist das für eine List?
Es ist was es ist.

Ich schlage es auf,
die Zeilen beginnen
Ich schaue auf die Seiten drauf,
Die Zeilen verschwimmen.

"Die Liebe und wir"
steht das wirklich hier?
Ist es ein "Bericht von Zunahetretern"?
Ich lese ohne zögern und zetern.

"Die Bulldozer" rollen an,
Ob ich noch alles retten kann?

"Es gab Menschen" die lasen,
oder heißt es 'die liesen'?
Ist auch egal, wir können es lassen
und liegen auf riesigen Wiesen.

"Die Einschränkung" - "Da hätte ich eigentlich,
die Bücher nicht lesen müssen,"-
sind die Fesseln,
zu meinen Füßen.

"Homeros Eros",
Ein schlechtes Beispiel für die Politik,
Was ist hier los?
Was ist an diesem Ort?
Ich verstehe kein Wort.

Ich schlage das Buch zu,
Ich bin verwirrt.
Das Buch ist komisch, doch ihr wisst,
Es ist was es ist.